Ein Samstag im September am Backhaus-Besen in Kalkhöfe. Von elf bis zwölf Uhr findet der zentrale Programmpunkt des Tages statt: der Bürgerdialog zur Fahrradstraße mit Landrat Dr. Joachim Bläse, Ellwangens Bürgermeister Volker Grab und Jagstzells stellvertretendem Bürgermeister Stefan Rettenmeier. Sie stehen nicht auf einer Bühne, sondern mitten unter den Bürgerinnen und Bürgern. Drumherum gibt es ein Rahmenprogramm: Beim RadCheck werden Bremsen und Licht geprüft und bei einem Quiz rund um die Fahrradstraße ist Wissen gefragt. 

Ein Versuch mit offenem Ausgang 

Die Strecke zwischen Jagstzell und Ellwangen ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung. Lange nutzten Autofahrende sie als Schleichweg, obwohl dort schon damals mehr Rad- als Autoverkehr gezählt wurde. Seit April 2026 ist hier eine außerörtliche Fahrradstraße eingerichtet: Der Radverkehr hat Vorrang, für alle gilt Tempo 30, Anlieger dürfen die Straße weiterhin mit dem Kfz befahren, Durchgangsverkehr ist untersagt. Für den Radverkehr konnte so auf einer bestehenden Straße eine sichere und attraktive Verbindung geschaffen werden – ohne einen kostenintensiven Radweg neu bauen zu müssen. Der zweijährige Verkehrsversuch läuft bis Oktober 2027. Wenn sich die Fahrradstraße in der Praxis bewährt, soll sie dauerhaft eingerichtet werden. Damit das gelingt, müssen die Menschen vor Ort die Regeln kennen und die Maßnahme mittragen. 

Zuhören und mitreden 

Hier setzte die Unterstützung der RadKULTUR an. Sie entwickelte ein Kommunikationskonzept mit zwei Bausteinen: Social-Media-Beiträge sowie den FahrRadTag im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche bestehend aus Bürgerdialog, Rahmenprogramm und begleitender Pressearbeit. Im Mittelpunkt des Bürgerdialogs stand der direkte Austausch mit Politik und Verwaltung über Erfahrungen und offene Fragen. 

Die Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit und stellten ihre Fragen, etwa zu den Kosten, zu Autos und Rädern, die zu schnell unterwegs sind, und gaben Anregungen für eine eindeutigere Beschilderung. Der Tenor war klar: Radfahrende fühlen sich auf der Strecke deutlich sicherer. „Die neue Fahrradstraße ist ein wichtiger Baustein für die Fahrradfreundlichkeit im Ostalbkreis und sie ist wirtschaftlich. Ein neuer Radweg wäre um ein Vielfaches teurer gewesen“, so Landrat Dr. Joachim Bläse. Ellwangens Bürgermeister Volker Grab ergänzte: „Die Ausweisung dieser Fahrradstraße ist ein starkes Signal. So konnten wir die Radverbindung zwischen Ellwangen und Jagstzell deutlich aufwerten.“ 

Was andere daraus lernen können 

Umfragen vor Ort bestätigen das Bild: Knapp 80 Prozent der mehr als 200 Befragten finden die Fahrradstraße insgesamt gut, 85 Prozent wollen sie dauerhaft behalten. Die meisten nutzen die Strecke in der Freizeit, etwa ein Drittel der Wege sind Alltagswege zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Seit Einführung der Fahrradstraße hat sich der Autoverkehr auf der Strecke halbiert. 

Das Fazit des Ostalbkreises fällt eindeutig aus: Das Gespräch auf Augenhöhe stärkt die Akzeptanz und bringt Hinweise, mit denen sich die Maßnahme verbessern lässt. Auch kritische Stimmen kamen dabei zu Wort. 

Jetzt bewerben 

Auch 2027 unterstützt die RadKULTUR gemeinsam mit der AGFK-BW wieder ausgewählte Kommunen mit Qualitätsstufe dabei, ihre Radinfrastruktur bekannt zu machen. Wenn auch Ihre Kommune dabei sein soll, können Sie sich vom 16.11.2026 bis zum 31.01.2027 bewerben. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Servicestelle der Initiative RadKULTUR: servicestelle@radkultur-bw.de. 

Über die AGFK-BW 

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) ist ein Netzwerk aus rund 120 Landkreisen, Städten und Gemeinden. Mit seiner Vision 2030 setzt sich der Verein dafür ein, dass aktive Mobilität als Basismobilität so einfach, sicher und bequem ist, dass Fuß und Rad die erste Wahl sind. Bei den Mitgliedskommunen der AGFK-BW steht aktive Mobilität für ein faires Miteinander aller und eine konsequent verfolgte Vision-Zero-Strategie. Seit 2026 können sich AGFK-Kommunen mit Qualitätsstufe um Unterstützung bei der Kommunikation ihrer Radinfrastrukturprojekte bewerben.