Wenn der Urlaub vor der Haus­tür beginnt

Die Wel­ten­bumm­ler Ste­pha­nie Huber und Andreas Star­ker geben Tipps für die Pla­nung einer Fahr­radreise
 

Stutt­gart, im Februar 2018 | Spä­tes­tens im Früh­jahr wer­den die Urlaube für das noch junge Jahr geplant. Viele Men­schen ver­su­chen dabei, mit mög­lichst wenig Urlaubs­ta­gen maxi­male Erho­lung zu errei­chen. Wenn der Urlaub bereits begin­nen soll, sobald man die Haus­tür für die nächs­ten Wochen ver­schließt, dann ist eine Fahr­radreise genau die rich­tige Wahl.

Wäh­rend viele Urlau­ber noch am Flug­ha­fen oder im Stau war­ten müs­sen, beginnt die Erho­lung für Fahr­radrei­sende bereits mit dem ers­ten Tritt in die Pedale. Viel­leicht sind Fahr­radrei­sen aus die­sem Grund so popu­lär – viel­leicht aber auch auf­grund von Vor­bil­dern wie Ste­pha­nie Huber und Andreas Star­ker. Sie bra­chen 2016 mit ihren Rädern in der Nähe von Mann­heim, der Hei­mat­stadt des Fahr­rads, auf, um die Welt zu erkun­den. Der Ini­tia­tive RadKULTUR ver­ra­ten die Fahr­radreise-Exper­ten ihre Lieb­lings­ziele, geben Tipps für Rou­ten und erklä­ren, wel­che Aus­rüs­tung man unter­wegs wirk­lich braucht.

Die Wahl des Rei­se­ziels
Neben der Frage nach dem Rei­se­ziel spielt bei Fahr­radrei­sen auch die Frage nach dem Weg dort­hin eine wich­tige Rolle. Denn getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“ bie­tet das Fahr­rad wie kein ande­res Ver­kehrs­mit­tel das Gefühl von Unab­hän­gig­keit und Frei­heit – und das gilt es in vol­len Zügen zu genie­ßen. Bei der Rou­ten­wahl für die erste Fahr­radreise genüge dabei häu­fig schon der Blick vor die Haus­tür, ver­ra­ten Ste­pha­nie Huber und Andreas Star­ker: „Fluss­rad­wege wie zum Bei­spiel der Neckar­tal- oder der Rhein-Rad­weg eig­nen sich prima für den Ein­stieg. Wem das nicht aus­reicht, der hat mit dem Euro­päi­schen Rad­fern­we­ge­netz die Mög­lich­keit, Europa zu erkun­den.“
Wich­tig sei jedoch, bei der Pla­nung der Rei­se­route fle­xi­bel zu blei­ben und sich aus­rei­chend Spiel­raum für spon­tane Ände­run­gen zu las­sen. 

Ob man eine Woche, meh­rere Monate oder gar Jahre Zeit habe, spiele bei der Ent­schei­dung für eine Fahr­radreise keine Rolle: „Unsere erste Radreise ging um den Boden­see. Eine Woche ohne großes Gepäck. Von da an hat uns das Radrei­se­fie­ber gepackt und wir sind immer wie­der klei­nere Tou­ren gefah­ren. 2011 ging es dann drei Monate über den Bal­kan bis nach Istan­bul und wie­der zurück. Seit 2016 sind wir jetzt auf Welt­reise und neh­men uns bewusst die Zeit, die wir brau­chen.“ Auf ein Lieb­lings­ziel möch­ten sich Huber und Star­ker, die der­zeit durch Mit­telame­rika radeln, nicht fest­le­gen: „Jede Gegend hat auf die ein oder andere Art und Weise ihren beson­de­ren Reiz. Und je wei­ter wir weg­fah­ren, desto mehr bekom­men wir Lust dar­auf, die Umge­bung unse­rer Hei­mat näher zu erkun­den.“

Was man wirk­lich braucht
Ob beim Rad­wan­dern in der Hei­mat oder auf Welt­reise – wer mit dem Fahr­rad unter­wegs ist, trans­por­tiert sein Gepäck mit der eige­nen Mus­kel­kraft. Beson­dere kör­per­li­che Fit­ness ist aus der Erfah­rung der Fahr­radreise-Exper­ten jedoch nicht nötig: „Rad­fah­ren ist für Jeder­mann und -frau.“ Viel wich­ti­ger seien dafür regel­mä­ßige Mahl­zei­ten und regel­mä­ßi­ges Trin­ken: „Wenn der große Hun­ger oder Durst erst ein­mal da ist, ist es zu spät.“ Kör­per­li­che Fit­ness dage­gen, komme mit der Zeit von ganz allein. Spe­zi­elle Pack­sys­teme für den Gepäck­trä­ger und beson­ders leichte Aus­rüs­tung kön­nen zudem dabei hel­fen, das Rei­se­ge­wicht auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren. Auf drei Dinge wol­len Huber und Star­ker jedoch auf kei­nen Fall ver­zich­ten: ihre Fahr­rad­helme, eine kleine Werk­zeug­ta­sche und ihre Smart­pho­nes.

Warum sich eine Fahr­radreise lohnt
Wäh­rend einer Fahr­radreise, da sind sich Huber und Star­ker einig, erlebt man die inten­sivs­ten und schöns­ten Momente dann, wenn man nicht damit rech­net: „In Arme­nien haben wir uns vor einem star­ken Regen an einer Bus­hal­te­stelle unter­ge­stellt. Zehn Minu­ten spä­ter saßen wir bei einem Kin­der­ge­burts­tag und wur­den mit Köst­lich­kei­ten ver­pflegt.“ Egal für wel­che Route oder wel­ches Ziel man sich letzt­end­lich ent­scheide, resü­mie­ren die bei­den, am Ende einer Fahr­radreise stehe auch immer der Anfang von etwas Neuem. Atem­be­rau­bende Land­schaf­ten sowie viele zwi­schen­mensch­li­che Begeg­nun­gen machen jede Fahr­radreise unver­ge­ss­lich und ein­zig­ar­tig. Viel­leicht fällt den Wel­ten­bumm­lern Ste­pha­nie Huber und Andreas Star­ker das Wie­der­kom­men daher auch immer etwas schwe­rer als das Los­fah­ren. Viel­leicht aber auch des­halb, weil man auf einer Fahr­radreise das Gefühl von Aben­teuer und Frei­heit in einer Art und Weise genie­ßen kann, die sich so nur im Sat­tel eines Fahr­rads – im wahrste Sinne des Wor­tes – erfah­ren lässt. Ein Gefühl, an das man auch dann noch lange erin­nert wird, wenn man längst wie­der auf dem täg­li­chen Weg zur Arbeit in die Pedale tritt.

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